Über 400.000 neue Spender – doch die Lücke wächst: Warum Deutschland mehr Lebensretter braucht
Viele Menschen in Deutschland sind bereit zu helfen: 412.371 Menschen haben sich 2025 als potenzielle Stammzellspender neu registrieren lassen. Das entspricht 1.130 neuen Chancen pro Tag – für Patienten mit Blutkrebs und anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen weltweit. Dennoch ist die Zahl der Neuregistrierungen auf dem niedrigsten Stand seit 15 Jahren.
Mit Stand vom 31.12.2025 sind in Deutschland 10.553.069 Menschen als potenzielle Stammzellspender erfasst; insgesamt sind es weltweit 44.244.323. Die internationale Vernetzung über das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) ermöglicht es, dass für Patienten aus Deutschland auch im Ausland nach Spendern gesucht werden kann – und umgekehrt. So beeindruckend diese Größenordnung zunächst erscheint, verdeckt sie doch einen ungünstigen Trend: Die Zahl der Neuanmeldungen geht stark zurück, während gleichzeitig zahlreiche Spender aufgrund ihres Alters aus dem Register ausscheiden.
Rekordjahr 2019 bleibt Ausnahme
Das Jahr 2019 war mit 827.033 Neuregistrierungen ein Rekordjahr und eine Ausnahme. Die im Jahr 2025 verzeichneten 412.371 Registrierungen liegen deutlich darunter. Die Gründe für diesen Rückgang sind vielschichtig. Besonders sichtbar wurde der Einbruch während der Corona-Pandemie: Typisierungsaktionen an Schulen, Hochschulen und in Unternehmen kamen vielerorts nahezu zum Stillstand – mit Folgen, die bis heute nachwirken. Hinzu kommen demografische Effekte: Die Jahrgänge, die derzeit ins typische Registrierungsalter hineinwachsen, sind zahlenmäßig kleiner als die Generationen davor.
Warum jede Registrierung zählt
Die Suche nach der passenden Stammzellspende gleicht der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Entscheidend sind hierbei die sogenannten HLA-Merkmale, die zwischen Spender und Patient nahezu übereinstimmen müssen. Manche Kombinationen sind jedoch so selten, dass selbst ein weltweiter Pool von 44 Millionen registrierten Personen keine Garantie auf ein passendes Match bietet.
Genau deshalb zählt jede einzelne Registrierung. Mit jedem neuen Eintrag erhöht sich die Chance, dass sich genau jene Kombination findet, die einem Menschen das Leben retten kann. Gerade junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren können viel bewirken, weil ihre Registrierung den Spenderpool langfristig stärkt und sie oft über
Perspektiven für Patienten sichern
„Die aktuellen Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, die Stammzellspende dauerhaft im Bewusstsein zu halten“, sagt PD Dr. Joannis Mytilineos, medizinischer Geschäftsführer des ZKRD. „Mit der Zeit fallen registrierte Spender altersbedingt weg. Um Menschen mit Blutkrebs auch künftig echte Chancen zu eröffnen, sind kontinuierlich neue Registrierungen unerlässlich – jede einzelne kann den entscheidenden Unterschied machen.“
Registrierung: einfach, kostenfrei und schnell
Wer helfen möchte, kann sich unkompliziert registrieren lassen – entweder mit einem kostenfreien Typisierungsset für den Wangenabstrich, das nach Hause geliefert wird, oder bei einer Typisierungsaktion vor Ort. Die Gewebemerkmale werden pseudonymisiert erfasst und stehen anschließend über das ZKRD weltweit für die Spendersuche zur Verfügung. Die Einwilligung kann jederzeit zurückgezogen werden. Eine tatsächliche Spende erfolgt ausschließlich im Falle eines passenden Matches und überwiegend als periphere Stammzellentnahme aus dem Blut, vergleichbar mit einer Plasmaspende.
Auf einen Blick: So einfach ist die Registrierung als Stammzellspender
- Wer kann sich als potenzieller Spender neu aufnehmen lassen? In der Regel Personen zwischen 18 und 55 Jahren. Bei Typisierungsaktionen an Schulen ist eine Registrierung teilweise bereits ab 17 Jahren möglich; für die Suche freigeschaltet werden die Daten jedoch erst mit Vollendung des 18. Lebensjahres.
- Wie läuft die Registrierung ab? Auswahl einer Spenderdatei und Anforderung eines Typisierungssets oder Teilnahme an einer lokal angekündigten Typisierungsaktion.
- Was passiert bei der Typisierung? Nach der Einwilligung genügt ein Wangenabstrich oder eine Blutprobe. Die Gewebemerkmale werden bestimmt und pseudonymisiert an das ZKRD übermittelt. Da das ZKRD als Knotenpunkt die Daten aus allen deutschen Spenderdateien bündelt, ist die einmalige Registrierung ausreichend.
- Wie lange gilt die Registrierung? Nach der Aufnahme in das Register werden die Daten weltweit bei der Spendersuche berücksichtigt. Ein Widerruf ist jederzeit möglich; in diesem Fall werden die Daten gelöscht.
- Warum ist frühe Registrierung besonders wertvoll? Wer sich in jungen Jahren registriert, kann über einen längeren Zeitraum helfen; bis zum 61. Lebensjahr kommen registrierte Personen als Spender infrage.
Ihre Entscheidung. Ein Leben.
Mehr Informationen zur Registrierung und zur Arbeit des ZKRD:
https://zkrd.de/registrierung-spende/
Liste der Spenderdateien in Deutschland:
https://zkrd.de/adressen/

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Tanja Baierl / Lisa Maria Zingel
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